Pferdesport

Bild mit Pferd

„Wie stehst du eigentlich zum Pferdesport?“ werde ich gefragt. Hm, so ganz spontan und aus dem Bauch heraus, ist die Antwort klar und eindeutig: „Lehne ich ab!“ Aber viele meiner Freunde leben mit Pferden, so wie ich, sie reiten Dressur, nehmen an Springturnieren teil und haben Freude am Fahrsport. Sie lieben ihre Pferde und sorgen für eine gute Haltung und Versorgung. Alles gut soweit. Etwas Wesentliches aber , ist bei mir anders. Irgendwann habe ich wahrgenommen, dass mein Pferd, mein Freund ebenso fühlt, wie ich selbst. Es ist unangenehm, manchmal sehr schmerzhaft ein doppelt gebrochenes Metallstück im Maul zu haben.

Es drückt und klemmt die Zunge ein, es reibt auf dem Zahnfleisch und schlägt gegen die Zähne. Die Maulwinkel schmerzen bei Zug, manchmal reißt die Haut und es blutet. Narben entstehen. Auf der Haut und in der Seele.Pferde haben keinen Laut für Schmerz. Sie leiden still. Pferde sind Fluchttiere. Sie reagieren triebgesteuert, instinktiv. Um ihre Art zu erhalten, entwickelten Pferde in Tausenden von Jahren Verhaltensweisen, die ihr Überleben sicherten. Neben dem Selbsterhaltungstrieb, dem Angst – Flucht und Herdentrieb, sind der Dominanz – Ernährungstrieb, der Bewegungstrieb, der Fortpflanzungstrieb, der Sexualtrieb, der Muttertrieb und der Schutztrieb für Jungtiere bekannt und erforscht. „Das Wort Trieb bezeichnet die Summe der Handlungen, die ohne Steuerung durch das Bewusstsein für das Überleben einer Art unabdingbar sind.“ (F.Rai)

Stelle ich mir nun das Verladen eines Pferdes auf einen Pferdeanhänger vor, etwa um zu einem Turnier oder in ein schönes Ausreitgelände zu fahren, dann geht das bei vielen Pferden ja ganz easy. Mit etwas Hilfe mittels Stricken um die Hinterhand, Touchieren mit der Gerte und einem Bestechungsleckerchen wird das Pferd schnell überredet, eilig die Klappe zu und los. Bei einem gut sozialisierten, gut ausgebildeten Pferd, dass gelernt hat dem Menschen zu vertrauen, geht das problemlos.Schwierig wird es, wenn das Pferd schlechte Erfahrungen abgespeichert hat, Schmerz und Angst verknüpft, schon mit dem Anblick des Anhängers. Die meisten Pferde gehen nicht gern in einen Anhänger. Allein vorwärts in eine dunkle Höhle, in der ein Todfeind lauern könnte, keine Flucht möglich. Erste Panikgefühle machen sich breit, steigern sich ins Unermessliche, wenn alle Möglichkeiten, die das Pferd bei vermeintlicher Todesgefahr instinktiv verwendet, verwehrt sind.Das ist der Grund , warum ein angebundenes Pferd, das in Panik gerät, zieht und tobt und sich wehrt, bis es entweder frei oder schwer verletzt oder tot, ist. Mit diesem Wissen bin ich nicht mehr bereit meine Pferde anzubinden. Freiheit und Selbstbestimmung sind mir wertvolle Güter.

Ich will nicht festgehalten, eingesperrt und gegängelt werden. Ich will selbst entscheiden, wem ich folge. In der Herde meiner Pferde bin ich zuverlässig und authentisch. Meine Körpersprache ist immer eindeutig, ich mache nicht viele Worte. Ich verhalte mich respektvoll und fordere Respekt. Ich bin geduldig. Ich gebe. Manchmal spielen wir miteinander, manchmal sind wir einfach nur beieinander. Vertrauen – dieses grundsätzliche Gefühl entscheidet über die Bereitschaft eines Pferdes und seine Motivation. Mein Pferd folgt mir freiwillig und gern, ohne Halfter und Strick, weil es sicher ist an meiner Seite, weil es gern in meiner Nähe ist, weil es mich als Leittier akzeptiert. Auch meine Pferde müssen Dinge tun, die sie nicht freiwillig anbieten. Still stehen, im Straßenverkehr, beim Tierarzt und Hufschmied – und auch meine Pferde müssen sich im Notfall auf einen Anhänger verladen lassen. Sie folgen mir, vertrauensvoll, wie Pferde seit Jahrtausenden von Jahren ihrem Anführer folgen. Und ich bin keine „Pferdeflüsterin“ folge keinem „Guru“, wende keine besondere Methode an.

Es ist ganz einfach. „Das Gefühl ist die Ebene,auf der wir mit den Tieren kommunizieren können.“(F.Rai) Wir sprechen eine gemeinsame Sprache, eine Sprache, die von Herzen kommt. Wir achten einander. Wir sind Freunde und Partner. Wie stehe ich also zum Pferdesport? Mit meiner persönlichen Einstellung zum Leben und zum Lebewesen Pferd lässt sich das nicht vereinbaren. Mein Leben mit den Pferden gestaltet sich anders. Ohne Wett – Kampfgedanken, ohne Siegen und Verlieren, ohne körperliche Höchstleistungen, die ein Pferd eben nicht freiwillig und entspannt anbietet. Wir leben ohne Siegerprämien, Urkunden und Schleifen, ohne Ehrungen und Applaus. Und das ist gut so. Es ist ein leichtes und frohes Leben. Ich respektiere jeden Menschen, der sich im Pferdesport engagiert, solange er das Wohlergehen des Tieres über seinen eigenen Antrieb und Ehrgeiz und über den Inhalt seines Portemonnaies stellt!

Meine Freunde und ich genießen derweil unser geruhsames Leben und sind zufrieden.

Mone Dopp

Text und Bild © Mone Dopp

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.