Streunerkatzen

Katze auf dem Gehweg

Das Leben und dazu eine Katze, das gibt eine unglaubliche Summe „Rainer-Maria Rilke“ Katzen sind wahre Freigeister.

Sie unterwerfen sich niemandem, sie sind wild und sanft, kraftvoll und zärtlich. Katzen sind groß im Körper, im Geist und in der Seele. Wie schäme ich mich, wenn ich über das Elend der Strassenkatzen nachdenke. Sie erbitten nichts, ganz leise leben sie im Verborgenen. In den Hinterhöfen, auf stillgelegten Fabrikgeländen oder auf Friedhöfen suchen sie Schutz und nach etwas Fressbarem. Streuner – ausgesetzt, sich selbst überlassen, wild geboren. Sie bleiben in der Nähe der Menschen, gehören sie doch seit Jahrtausenden auf unsere Höfe, in unsere Häuser und in unsere streichelnden Hände. Streuner – sie vermehren sich unzählig und unkontrolliert, ihr körperlicher Zustand ist oft erbärmlich. Und dennoch, wann immer ich einem der kleinen, wilden Kätzchen in die Augen sehe, ihr Stolz ist ungebrochen. Freigeister eben.

Kastrationsverpflichtung

Das Fell stumpf, der Körper ausgemergelt von Hunger, Krankheit oder durch das Gebären ohne Schonung. Nur ein einziger Blick in die klaren Bernsteinaugen jener Katze – und ich spüre fast körperlich ihr Mahnen, „Mensch was tust Du uns an“. Und ich spüre die Hoffnung. Ganz zaghaft, jede Körperfaser angespannt zum Sprung, zum sofortigen Rückzug bereit, lässt die kleine Straßenkatze sich ein – auf ein freundliches Wort und auf die Hilfe des Menschen. Und Hilfe wäre möglich, eine Kastrationsverpflichtung und die Kennzeichnung der vielen Namenlosen würde das Elend auf unseren Straßen schon verringern. Es wäre ein Zeichen, das die Verantwortung für das Wohl unserer Mitgeschöpfe gemeinsam getragen wird. Wertschätzung auch – für die Arbeit und den unermüdlichen Einsatz der vielen tierlieben Menschen, die nicht weg sehen und sich kümmern.

Im Laufe meines Lebens sind mir einige ganz großartige Katzen begegnet, eine räkelt sich gerade schnurrend auf meiner Tastatur. Immer haben sie mich zu großartigen Menschen geführt. Geschichtlich betrachtet, schwankte die Verbindung zwischen Mensch und Katze. Im alten Ägypten wurde sie als heilige Gottheit verehrt, zur Zeit der Hexenverfolgungen sah man in ihr die Verbündete des Bösen. Katzen wurden und werden geliebt oder verjagt – aber sie sind untrennbar mit uns Menschen verbunden. „Du bist zeitlebens für das verantwortlich, was du dir vertraut gemacht hast“ sagt DER KLEINE PRINZ – und so ist es. Wir sind verantwortlich.

Text: © Mone Dopp / Foto: © Vera Creutz

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